HateSpeech: Informieren und engagieren Sie sich gegen Hass im Netz

von | 15. Sep 2022 | Community Dialog, Community Management

Zuletzt geändert am 21. Februar 2024

Als Community Manager sind Ihnen Hasskommentare im Social und World Wide Web nicht fremd. Ihnen stehen viele Werkzeuge, Ansätze und Konzepte für die Arbeit gegen Hass im Netz zur Verfügung. Doch kennen Sie wirklich alle Möglichkeiten?

Hasserfüllte Kommentare überfluten nicht nur die virtuelle, sondern auch die reale Welt. Dafür verantwortlich sind nur 5 Prozent der weltweiten Internetnutzer. Als Community Manager gehören Sie zu den 95 Prozent, die sich täglich gegen diese Kommentare stellen und bekämpfen.

Diesen Kampf müssen Sie nicht alleine führen. Es gibt viele Initiativen, von denen Sie Unterstützung erhalten können. Folgende Quellen, Gedankengänge, Leitfäden und Hinweise sollten Ihnen bei Ihrer Arbeit gegen Hate Speech im Netz weiterhelfen.

Initiativen gegen HateSpeech und Nützliche Quellen im Überblick

Die folgenden Organisationen und Vereine engagieren sich gegen Hass und dazugehörige Kommentare im Netz. Sie können sich inspirieren lassen, nach Unterstützung suchen oder sich engagieren.

ichbinhier e.V.: Für die Sensibilisierung bei Hass im Netz

Der Verein arbeitet daran, Nutzer:innen sozialer Netzwerke, Medienvertreter:innen und Entscheidungsträger:innen für das Thema Hass im Netz und die damit verbundenen Herausforderungen zu sensibilisieren. ichbinhier e.V. klärt über die Ursachen von Hassrede auf sowie deren Verbreitung und Auswirkungen. Der Verein kann Sie dabei unterstützen, sich vor digitalen Angriffen und Kommentaren zu wappnen.

HateAid: Beratungsstelle bei digitaler Gewalt

Die Beratungsstelle setzt sich für den Kampf gegen digitale Gewalt ein. Ihrem Verständnis nach sollen Menschen in der Lage sein, sich frei und ohne Angst im Netz bewegen können. Allen denjenigen, die von Hass im Netz betroffen sind, bietet HateAid eine kostenlose Beratung an. Im Rahmen dieser Konsultation bieten sie emotionale Unterstützung, geben Tipps und prüfen, ob ein Gerichtsverfahren möglich ist.

Amadeu Antonio Stiftung ermutigt, berät und fördert

Ziel der Stiftung ist es, die Gesellschaft zu motivieren, gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. Die Amadeu Antonio Stiftung fördert Initiativen und Projekte, die sich für die demokratische Kultur und den Schutz von Minderheiten engagieren. Sie finden auf der Seite viele Publikationen, die über die genannten Themen aufklären. In der Vielfalt Bibliothek bietet die Stiftung Bildungsmaterial gegen Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Gewalt. Zudem bietet die Stiftung ein Support-Tool als Guide für die Kommentarspalten an: ModSupport.

No Hate Speech: Eine Bewegung nicht nur in Deutschland

Dahinter steckt eine internationale Bewegung, die sich gegen Hassrede im World Wide Web und insbesondere in den sozialen Medien richtet. Die Kampagne wurde 2013 vom Europarat ins Leben gerufen. Nationale Ableger gibt es nicht nur in Europa, sondern auch in Kanada, Marokko und Mexiko. Die Hauptzielgruppe von No Hate Speech besteht aus jungen Aktivist:innen im Netz und jungen Internetnutzern. Die Bewegung bietet Ihnen einen guten Leitfaden, der sich an Medienschaffende richtet. Dieser gibt Tipps für den Umgang mit Hasskommentaren. 

Hasskommentare richtig moderieren lernen

Auch die Landesmedienanstalt NRW bietet einen umfangreichen Leitfaden an. Im Fokus steht der Umgang mit Hasskommentaren. Neben zahlreichen nützlichen Tipps beleuchtet der Leitfaden die verschiedenen Formen von Hate Speech, erklärt Ihnen, warum Sie Hasskommentare melden sollten und wie wichtig das virtuelle Hausrecht ist. Damit richtet sich die Handreichung nicht nur an journalistische Fortbildungen und redaktionsinterne Workshops. Als Community Manager profitieren Sie ebenfalls von den vielen Hinweisen. Wer sich weiter informieren will, findet am Ende des Leitfadens Materialien und Leseempfehlungen. Die PDF-Datei können Sie direkt bei der Landesmedienanstalt NRW herunterladen.

Eine weitere Studie der Landesmedienanstalt NRW zeigt auf, wie konstruktive Debatten durch bestärkende Moderation gefördert werden können. Aktives Empowerment führt zu weniger Hass und Hetze im Netz: Hallo liebe Community.

Verfolgen statt nur löschen

Die Initiative „Verfolgen statt nur löschen“ hat sich dem Schutz von Freiheit und Demokratie im Netz verschrieben. Gestartet 2017 unterstützen Vertreter:innen von Medienaufsicht, Strafverfolgungsbehörden und Medienhäusern aus NRW dabei die Rechtsdurchsetzung im Internet zu erleichtern, um so ein deutliches Zeichen gegen Recht- und Rücksichtslosigkeit im Netz zu setzen. Eine ähnliche Initiative gibt es im Bundesland Hessen mit HessenGegenHetze vom hessischen Ministerium des Innern und für Sport.

Helpdesk für Medienschaffende

Die neuen Medienmacher:innen bieten in Ihrem Helpdesk Rat und konkrete Hilfe gegen Hate Speech im Netz. Aufgeteilt ist das Angebot in Vorsorge „Was man tun und wissen sollte, um Hate Speech vorzubeugen und sich zu schützen“, Schnelle Hilfe „Konkret und wirksam auf Hate Speech reagieren“, sowie Nachsorge „Was man hierher machen kann und wer einem dabei hilft“.

Unterstützung und Beratung für Wissenschaftler:innen

SCICOMMSUPPORT unterstützt und berät Wissenschaftler:innen und Wissenschaftskommunikator:innen. Sie bieten Leitfäden, Trainings, Workshops und eine Hotline an, um bei Angriffen und unsachlichen Konflikten in der Wissenschaftskommunikation zu helfen. Organisiert wird diese Hilfe vom Bundesverband Hochschulkommunikation und wissenschaft: im dialog.

Digitale Zivilcourage und Empowerment

Die Bundeszentrale für politische Bildung vermittelt Ihnen im Rahmen der Veranstaltung “Digitale Zivilcourage und Empowerment” wichtiges Wissen, das Sie im Umgang mit Hasskommentaren benötigen. Sie lernen die Strukturen und Wirkungsweisen des ideologischen Extremismus kennen. Außerdem erhalten Sie einen Überblick über praktische Tools und Strategien an die Hand. 2019 – 2023 fand die Veranstaltung mehrmals pro Jahr start. Meist digital. Aktuell ist eine Veranstaltung in Präsenz für Herbst 2024 in Planung.

Digital Streetworker

Johannes Ceh hat eine Hilfsorganisation für Betroffene von Mobbing und Hass im Netz gegründet. Anlass waren seine eigenen negativen Erfahrungen im Business-Netzwerk LinkedIn. Das Projekt leistet erste Hilfe für digitale Gewalt im beruflichen Kontext mit Fokus auf LinkedIn. Mehr Informationen und die Hintergründe liefert dieser Artikel: Krawall und Krawatte

Meldestellen gegen Hass im Netz

Indeon bietet eine Übersicht der verschiedenen Meldestellen gegen Hass im Netz an. Vom Bundeskriminalamt, über den Verband der Internetwirtschaft eco bis zu respect, gibt es unterschiedliche Organisationen, bei denen Sie Hass, persönliche Angriffe und digitale Gewalt melden können. Zur vollständigen Übersicht sowie weiteren Informationen gelangen Sie hier: Meldestellen gegen Hass im Netz.

Konfliktsensibler Journalismus, Lovestorm & Co.

Die folgenden Leseempfehlungen werden nicht nur im Community Management angewendet, sondern auch in vielen weiteren Bereichen.

Konfliktsensibler Journalismus: Ein journalisistisches Konzept

Tom Klein, Koordinator Community Management im Hessischen Rundfunk (ARD), verweist in einem LinkedIn Beitrag auf das Konzept des konfliktsensiblen Journalismus. Dieser Ansatz hilft dabei, in der Content-Erstellung und Kommentarmoderation deeskalierend(er) zu arbeiten. Dieser Ansatz ist auch im Community Management relevant. Laut Tom Klein gibt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung eine gute Beschreibung zu diesem Konzept.

Einen Einblick in die tägliche Arbeit von Tom Klein und weitere Tipps finden Sie in diesem Beitrag.

Ein Lovestorm gegen Desinformation?

Auch Simone Orgel, Director of Communities, Society and Politics bei Wikimedia Deutschland, hat einen guten Tipp parat: Sie können im Fall eines Hasskommentars oder einer Desinformation für einen Lovestorm sorgen. Wie dieser Schritt für Schritt funktioniert, hat sie in diesem Beitrag erklärt. Hier erhalten Sie auch weitere nützliche Tipps und einen Link zu einer ausführlichen Anleitung für den Lovestorm.

Nemo Tronnier und der Umgang mit Social-Media-Postings in Krisensituationen

Besonders in Krisen, die nicht nur ein Land, sondern die ganze Welt betreffen, gilt es, die eigenen Social-Media-Beiträge zu hinterfragen und mit Bedacht in den sozialen Netzwerken zu agieren. Dieser Auffassung ist auch Nemo Tronnier, Co-Founder und CEO von Social DNA.

Es gilt den eigenen Redaktionsplan zu hinterfragen – vielleicht auch zunächst zu pausieren. Die eigene Kommunikation sollte der Krise entsprechend angepasst werden. Ein neutraler Ton ist hier die beste Lösung. Beim BdKom finden Sie ein paar hilfreiche Hinweise, wie Sie sachlich texten – ohne (zusätzlichen) Hass zu schüren. Das Wichtigste: Beobachten Sie die Kommentarspalten nicht nur unter den Social-Media-Postings, sondern auch auf den eigenen Web-Auftritten.

Es gibt nicht nur einzelne Hasskommentare, um die Sie sich als Community Manager kümmern müssen. Diese können auch gezielt als Attacke und in hoher Anzahl auftreten. Die Problematik für Community Manager: Mit der hohen Zahl an negativen Kommentaren fertig werden. Seien Sie sich bewusst, dass Social-Media-Kanäle wie Facebook ein tägliches Löschlimit – von etwa 10.000 – auf Kommentare haben. Umso wichtiger ist es, nicht wahllos Kommentare zu löschen, sondern angemessen zu reagieren. Langfristig sollten Sie sich überlegen, wie Sie auf solche Attacken reagieren können. Machen Sie sich auf jeden Fall vorab Gedanken. Mit einer Strategie, die Sie zuvor festgelegt haben, können Sie gezielter und besonnener auf solche Situationen und Krisen reagieren.

Die #GegenHassimNetz-Kampagne und die Parallelen zur Community-Management-Arbeit 

Nicht nur Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Organisationen engagieren sich für den Kampf gegen Hasskommentare. Einige große deutsche Unternehmen wie die Deutsche Telekom AG zeigen Engagement: In einem Interview, das von der Telekom im Rahmen der Kampagne #GegenHassimNetz geführt wurde, schildern unterschiedliche Influencer, welche Auswirkungen Hasskommentare auf ihre Arbeit und ihr Leben hatten. 

Auch Community Managern stellen sich täglich dem Hass entgegen. Es ist wahrscheinlich, dass Sie die eine oder andere Parallele zu Ihren eigenen Erfahrungen ziehen werden. Das Interview verdeutlicht aber auch, dass Sie sich nicht allein mit diesen Kommentaren beschäftigen müssen. Ihre Kolleg:innen leisten Unterstützung und weitere Hilfe finden Sie bei den zuvor genannten Institutionen.

Die Bedeutung und die Folgen von Engagement gegen Hass im Netz

Es ist vor allem als Community Manager wichtig, sich gegen Hasskommentare und Hass im Netz zu stellen. Wo Sie passende Tipps, Hinweise und Leitfäden finden können, wissen Sie jetzt.

Doch verlieren Sie nicht den Preis, den Sie bei der Arbeit mit Hasskommentaren zahlen, aus Ihrem Blick. Denn diese ist emotional fordernd und belastend für Körper sowie Geist. Suchen Sie rechtzeitig Hilfe bei Freund:innen, Kolleg:innen und Chef:in.

Niemand ist in der Lage, täglich 8 Stunden am Tag Hass zu moderieren. Seien Sie sich dieser Last bewusst und holen Sie sich psychologische Hilfe.

Sie sind auf der Suche nach weiteren Impulsen und Leseempfehlungen zu Krisenkommunikation sowie Hate Speech? Dann werfen Sie einen Blick auf die folgende Bücherliste Bücher Community Management.

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