Aus dem Leben eines Community-Managers Community-Management

Marken funktionieren nicht nach dem Motto „Friss oder Stirb“

Wie können Marken ihre Kunden heutzutage, im Zeitlater von Social Media und unternehmenseigenen Plattformen, am besten erreichen? Ein Interview mit Martin Kydd vom ADAC.

Martin, stell Dich doch bitte kurz vor:

Martin Kydd, ADAC
Martin Kydd, ADAC

Ich bin gebürtiger Münchner und seit bald 6 Jahren beim ADAC. Dort habe ich das Social Media-Handwerk als Praktikant gelernt. Heute bin ich Business Development Manager im Bereich „Digitale Content-Strategie“.

Welche Community betreust Du?

Wir betreuen die ADAC Community, sowie alle Social Media Auftritte des ADAC (Faceobook, Twitter, YouTube, Instagram) und den ADAC Blog.

Wie groß ist Euer Team in der ADAC Community?

Die Community wird betreut vom Team der Digitalen Content-Strategie im ADAC im Ressort „Marke, Marketing & Kommunikation“. Dort vereint  befindet sich Content, Community Management und Strategie für alle digitalen Kommunikationskanäle.

Nutzt ihr eine SAAS-Lösung oder wurde Eure Community selbst programmiert?

Unsere Community baut auf der SAAS-Lösung von Voycer auf.

Zwischen Planbarkeit und Trends gibt es nur einen schmalen Grad

Was war die bisher größte Herausforderung in Deinem Job?

Die größte Herausforderung ist es, Beständigkeit in einem dynamischen Umfeld zu erzeugen.

Gerade der Aufbau einer Community braucht eine Strategie, sowohl kurzfristig als auch langfristig. Eine Patentlösung gibt es nicht, daher muss man auf dem schmalen Grat zwischen Planbarkeit und Trends balancieren.

Was war Dein einprägsamstes Erlebnis in deiner Community-Manager Laufbahn?

Das für mich prägendste Erlebnis war der Launch unserer eigenen ADAC Community Ende September, der uns in nur wenigen Wochen gelang. In der ADAC Community senden wir selbst weniger Botschaften und bieten einen Raum, der den Austausch der Mitglieder untereinander ermöglicht. Der User kann hier auch wählen, womit er sich beschäftigen möchte und womit nicht.

Was sind die Besonderheiten beim ADAC?

Der ADAC blickt auf 114 Jahre Geschichte zurück. Gerade die Digitalisierung und ein sich veränderndes Moblitätsverhalten stellt den Verein vor neue Herausforderungen, aber noch viel größeren Chancen. Es ist spannend, Teil dieser Veränderung zu sein.

Bei großen Plattformen besteht immer eine Abhängigkeit in der Entwicklung

Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Job und speziell in Deiner Branche?

Die Herausforderung im digitalen Bereich ist die Abhängigkeit von den großen Plattformen Mal schraubt Facebook am Algorhitmus, dann öffnet sich eine neue Plattform wie Snapchat und plötzlich findet die Kommunikation der User nur noch in Privatnachrichtendiensten wie Whatsapp statt.

Mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten braucht starke Nerven, denn kaum hast du eine Strategie verfasst und verkauft, schon kannst du sie wieder in die Tonne werfen und von vorne anfangen.

Wir beginnen ja gerade erst die Möglichkeiten von Virtual und Augmented Reality, Blockchain und Künstlicher Intelligenz zu erahnen. Hier werden die größten Veränderungen auf uns zukommen.

Was gefällt Dir an Deinem Job am besten?

Am besten gefallen mir all die Menschen, mit denen ich zu tun habe. Ich kenne davon aber nur die wenigsten persönlich. Ich meine damit unsere Fans und Follower. Es macht mir Spaß, sie jeden Tag aufs Neue kennen und verstehen zu lernen. Wenn unsere Inhalte auf Gegenliebe stoßen, dann erfüllt mich das mit Freude.

Wie denkst Du, dass die Branche sich in den nächsten Jahren entwickeln wird? Was sind die größten Chancen und Herausforderungen?

Ich denke, dass vor allem Marken lernen müssen, dass ihre Inhalte nicht nach dem Motto „Friss oder stirb“ funktionieren.

Es gibt nur wenige Love-Brands, die sich einen reinen Push ihrer Botschaften leisten können. Es gilt herauszufinden, wie wir unsere Mitglieder, Kunden und User erreichen können, ohne sie zu nerven. Relevanz ist oberstes Gebot.

Die Branche hat ja gerade erst angefangen, Inhalte mobiloptimiert anzubieten, dabei entwickeln sich schon längst Smartwatches, Sprachassistenten und selbst Fahrzeuge zu wichtigen Informationsträgern.

Was fehlt der Branche?

Ich vermisse in letzter Zeit Visionen. Zu den Anfangszeiten von Social Media war mehr „Gründergeist“ spürbar. Jetzt herrscht viel Enttäuschung, Pessimismus und Verwirrung. Ich wünsche mir mehr Optimismus und Anpacken, statt Jammern und Wegwerfen.  Gemeinsam die Zukunft aktiv zu gestalten, das wäre mein Wunsch.

Was willst Du noch gerne loswerden?

Sharing is caring. Das sollte oberstes Gebot bleiben. Online und offline.

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